Meine 8. Woche 2020 im Rückblick

Die vergangenen sieben Tage werden mir vermutlich lange in Erinnerung bleiben. So überraschend hat sich meine Akquise bislang selten entwickelt. Außerdem hatte ich ungewöhnlich viele aussichtsreiche Projektangebote gleichzeitig. So darf es gerne häufiger ablaufen. Ich wünsche allen Selbständigen ebenso viel Erfolg beim Akquirieren von Geschäften.

Nachdem ich letztes Wochenende die unterschiedlichen Optionen durchgegangen war, entschied ich, ein Angebot für eines der Projekte anzunehmen, bei denen ich mich vorgestellt hatte. Wer mir den zuerst einen unterschriftsreifen Vertrag vorlegt, bekommt meine Zusage. Vorausgesetzt, einer der Anbieter entschloss sich dazu, mir den Zuschlag zu geben.

Der weitere Verlauf nach einer Vorstellung beim Kunden bleibt unvorhersehbar. Es gibt für eine Stelle fast immer mehr als einen Kandidaten. Das Feedback zu beiden Interviews war positiv. Es bestand die Chance darauf, einen Vertrag zu bekommen. Eine Absage wäre genauso normal. Als IT-Freelancer werde ich ähnlich den Bewerbern für eine Festanstellung auf meine Eignung geprüft. Das ist für beide Seiten wichtig. Denn wir binden uns für eine definierte Zeit aneinander.

Einer der Vorteile, eigenverantwortlich zu arbeiten, ist die Freiheit, zu bestimmen, welches Angebot ich annehme. Ein Luxus, den viele Selbständige nicht erleben. Das ist mir bewusst. Selbstbestimmt seiner Berufung nachzugehen, halte ich für einen Vorzug, der bei Angestellten selten zu finden ist.

Wann kommt eine Zusage?

Am Dienstagvormittag kam ein Anruf der zuständigen Bearbeiterin der Vermittlungsfirma. Der Anbieter einer der beiden mir angebotenen Positionen wolle am Mittwoch bekanntgeben, ob ich die Stelle bekomme. Ich nenne es Projekt 2, weil es mein zweites Interview war. So weit, so normal. Auf die Frage, ob bei mir noch Rückmeldungen zu Projektstellen ausstünden, antwortete ich wahrheitsgemäß, dass ich auf ein Feedback zu einem anderen Job wartete.

Das Vorstellungsgespräch für das Projekt 1 lag schon eine Weile zurück. Der vereinbarte Entscheidungstermin war ein paar Tage überschritten. Meine Nachfrage hatte ergeben, dass sich der zuständige Mitarbeiter leider nicht gemeldet hätte. Das klang wenig ermutigend. Verlässlichkeit ist für mich bedeutsam.

Die Mitarbeiterin der Vermittlerfirma beteuerte, dass über ihre Firma vermittelte Kollegen sich bei diesem Unternehmen wohlfühlen. Okay, ich hatte ja gesagt, dass es für mich in Ordnung wäre, dort zu arbeiten. Ich stufte die Priorität für Projekt 1 herab.

Es war ein weiteres, ein drittes Vorstellungsgespräch (Projekt 3) geplant. Dieser Termin lag jedoch fast eine Woche in der Zukunft. Hier ebenfalls ein zwiespältiges Gefühl. Wer eine Stelle besetzen will, sollte sich nicht allzu lange Zeit lassen. Ein Thema, das ich später in einem Artikel aufgreifen werde.

Solche „Hängepartien“ mag ich nicht. Sie untergraben mein Vertrauen. Und Vertrauen ist wichtig, für beide Seiten. Ich möchte eine Position mit einem guten Gefühl antreten. Vorbehalte können eine einvernehmliche Umgangsart miteinander beeinträchtigen.

Vielleicht eine Viertelstunde, nachdem die Vermittlerin mir mitgeteilt hatte, dass Mittwoch die Auswahl des Kandidaten für Projekt 2 erfolgen werde, klingelte mein Smartphone erneut. Der Kunde hat sich für mich entschieden. Ich habe nicht gefragt, warum die Entscheidung plötzlich so zügig und vorzeitig gefallen war.

Der Rest war rasch erledigt. Vorstellungstermin für Projekt 3 abgesagt, Projekt 1 abgelehnt, Zusendung des Vertrags, Vertragsprüfung und elektronische Unterschrift.

Abschied aus dem Projekt

In der vergangenen Woche war ich das letzte Mal bei meinem Kunden in Ostwestfalen. Dessen Projekte habe ich 22 Monate lang begleitet. Letzte Wochen und Abschiede liegen mir nicht. Das läuft schon professionell ab. Aber es gehört in meinen Augen zu den schwierigeren Phasen der Selbständigkeit.

Je länger ich ein Projekt begleite, desto eingehender komme ich mit den Menschen dort in Kontakt. So auch in diesem Fall. Ich fand es schade, dass es für mich nicht weitergehen konnte, weil durch die Verschiebung wesentlicher Projektteile meine Mitarbeit vorerst nicht mehr nötig ist.

Es wäre nicht das erste Projekt, zu dem ich wieder zurückkehren würde. So etwas kann ich schwer vorhersehen. Ist aber nicht relevant, weil ich mich darum kümmern muss, dass ich weiterhin meine Rechnungen begleichen kann. Und solche Verzögerungen dauern oft länger als gedacht.

Darauf zu warten, dass die Projektplanung fertig- und Budgets bereitgestellt werden, liefe für mich auf ein wirtschaftliches Fiasko hinaus. Daher bin ich froh, rechtzeitig ein Anschlussprojekt gefunden zu haben.

Die letzte Woche bei einem Einsatz ist meistens geprägt von Übergaben. Die Sachen, die ich zum Projekt beigetragen habe, müssen übergeben werden. Mein Know-how nehme ich beim Austritt mit. Damit nicht zu viel verloren geht, dokumentiere ich und weise die Mitarbeiter meiner Kunden ein.

Donnerstag war der letzte Tag beim Auftraggeber. Am Freitag habe ich die restlichen Sachen aus der Dienstwohnung zusammengepackt und ins Auto geladen. Dann habe ich die Wohnung zurückgegeben und bin nach Hause gefahren.

Das Ende einer Zeit, die zu den angenehmsten Erfahrungen gehört, die ich bislang sammeln durfte.

Ein Neubeginn?

Meinen neuen Einsatz werde ich in der zweiten März-Woche antreten. Das meine ich jedoch nicht mit „Neubeginn“. Am Samstag saßen wir zusammen, um unser Team zu konstituieren. Mehr soll noch nicht verraten werden.

Es werden viele neue Tätigkeiten und Erfahrungen auf mich zukommen. Ich freue mich darauf. Ein Teil meiner neuen Aktivitäten ist das Schreiben für dieses Blog. Es geht hier um Themen rund um Selbständigkeit und darum, sich miteinander zu vernetzen.

Ich vernetze mich gerne. Für Selbständige halte ich Vernetzung für essentiell. Ein Grund, warum ich diese Rückblicke schreibe, ist mein Entschluss, einen Teil meiner Erfahrungen als selbständiger IT-Berater weiterzugeben.

Ein Unternehmer hat einmal gesagt, seinen Weg zu gehen wäre für ihn weniger umständlich gewesen, hätte er Erfahrungsberichte vom Menschen lesen können. Meine Bloggerei ist mein Versuch, aus dem Leben eines IT-Freelancers zu erzählen. Vielleicht helfen meine Erfahrungen anderen Freelancern.

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